Das österreichische Sozialsystem bietet eine Vielzahl von Unterstützungen und Leistungen, die vielen Bürgern zustehen, aber oft nicht in Anspruch genommen werden. In diesem umfassenden Guide zeigen wir Ihnen, welche Sozialleistungen es gibt, wer Anspruch darauf hat und wie Sie diese beantragen können.

Familienbeihilfe: Die Basis für Familien

Die Familienbeihilfe ist eine der bekanntesten Sozialleistungen in Österreich. Sie wird für jedes Kind gewährt und ist einkommensunabhängig. Die Höhe der Beihilfe steigt mit dem Alter des Kindes und beträgt 2025 zwischen 126 Euro monatlich für Kinder unter drei Jahren und bis zu 181 Euro für Kinder ab 19 Jahren.

Wichtig zu wissen: Die Familienbeihilfe wird automatisch bis zum 18. Geburtstag des Kindes ausgezahlt. Danach muss ein Antrag auf Weitergewährung gestellt werden, wenn das Kind eine Ausbildung absolviert. Dies wird oft übersehen, weshalb viele Familien Geld verschenken.

Zusätzlich zur Familienbeihilfe gibt es den Mehrkindzuschlag von 7,70 Euro monatlich ab dem dritten Kind sowie den Schulstartbonus von 100 Euro, der automatisch im August für Kinder zwischen sechs und 15 Jahren ausgezahlt wird.

Kinderbetreuungsgeld: Flexible Modelle

Das Kinderbetreuungsgeld wurde 2025 reformiert und bietet nun noch flexiblere Modelle. Grundsätzlich können Sie zwischen dem einkommensabhängigen und dem pauschalen Kinderbetreuungsgeld wählen.

Das einkommensabhängige Modell orientiert sich an Ihrem vorherigen Einkommen und beträgt 80 Prozent der Letzteinkünfte, maximal jedoch 2.300 Euro monatlich. Die Bezugsdauer beträgt 12 bis 14 Monate, wobei der zweite Elternteil mindestens zwei Monate in Anspruch nehmen muss, um die maximale Dauer zu erreichen.

Die pauschalen Modelle bieten verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Bezugsdauern und Höhen. Das kürzeste Modell dauert 12 plus 2 Monate mit rund 1.800 Euro monatlich, das längste 30 plus 6 Monate mit etwa 500 Euro monatlich.

Wohnbeihilfe: Unterstützung bei Wohnkosten

Die Wohnbeihilfe hilft einkommensschwachen Haushalten bei den Wohnkosten. Die Höhe und Voraussetzungen variieren je nach Bundesland, grundsätzlich gilt jedoch: Je niedriger das Haushaltseinkommen und je höher die Wohnkosten, desto höher fällt die Beihilfe aus.

In Wien beispielsweise können Alleinstehende mit einem Nettoeinkommen bis 1.400 Euro monatlich und einer Miete von 600 Euro bis zu 250 Euro Wohnbeihilfe erhalten. Für Familien gelten höhere Einkommensgrenzen, und auch die maximale Beihilfe steigt entsprechend.

Ein häufiger Fehler: Viele Menschen nehmen an, dass sie keinen Anspruch haben, ohne dies geprüft zu haben. Selbst bei mittleren Einkommen kann in Hochpreisregionen ein Anspruch bestehen. Es lohnt sich immer, einen Antrag zu stellen.

Ausgleichszulage: Absicherung der Mindestpension

Die Ausgleichszulage sichert Pensionisten ein Mindesteinkommen. Liegt Ihre Pension 2025 unter 1.217,96 Euro monatlich als Alleinstehender oder unter 1.921,97 Euro als Paar, haben Sie Anspruch auf die Differenz als Ausgleichszulage.

Diese Leistung wird oft nicht beantragt, weil viele Pensionisten ihre Ansprüche nicht kennen. Dabei ist die Beantragung unkompliziert und kann direkt bei der Pensionsversicherungsanstalt erfolgen. Die Ausgleichszulage wird rückwirkend für maximal fünf Jahre ausgezahlt, ein frühzeitiger Antrag ist also wichtig.

Pflegegeld: Unterstützung bei Betreuungsbedarf

Das Pflegegeld steht allen Menschen zu, die aufgrund körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung einen Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden pro Monat haben. Es gibt sieben Pflegestufen mit Beträgen zwischen 165 Euro und 1.841 Euro monatlich.

Die Einstufung erfolgt durch eine ärztliche Begutachtung. Wichtig: Das Pflegegeld ist zweckgebunden für die Pflege zu verwenden, kann aber frei zwischen professioneller Pflege und Betreuung durch Angehörige aufgeteilt werden.

Bei Verschlechterung des Gesundheitszustands kann jederzeit eine Höherstufung beantragt werden. Umgekehrt erfolgen regelmäßige Überprüfungen, ob die Pflegestufe noch angemessen ist.

Arbeitslosengeld und Notstandshilfe

Das Arbeitslosengeld beträgt grundsätzlich 55 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, mit Familienzuschlägen kann es auf bis zu 80 Prozent steigen. Die Bezugsdauer hängt von der Dauer der vorherigen Beschäftigung ab und beträgt zwischen 20 und 52 Wochen.

Nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes kann unter bestimmten Voraussetzungen Notstandshilfe beantragt werden. Diese ist grundsätzlich niedriger als das Arbeitslosengeld, kann aber unbegrenzt lange bezogen werden.

Wichtig zu wissen: Während des Bezugs von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe sind Sie kranken- und pensionsversichert. Zudem gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, die vom AMS gefördert werden und Ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern.

Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Eine oft unterschätzte Sozialleistung ist die Möglichkeit zur Bildungskarenz. Dabei können Sie sich mit Zustimmung des Arbeitgebers für zwei bis zwölf Monate freistellen lassen, um eine Ausbildung zu absolvieren. Während dieser Zeit erhalten Sie Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes.

Alternativ gibt es die Bildungsteilzeit, bei der Sie Ihre Arbeitszeit reduzieren und eine Ausgleichszahlung erhalten. Diese Modelle bieten die Chance, sich weiterzubilden, ohne das bestehende Arbeitsverhältnis zu beenden.

Soziale Unterstützung auf Länderebene

Neben den bundesweiten Sozialleistungen bieten die Bundesländer zusätzliche Unterstützungen. Dazu gehören Heizkostenzuschüsse, Schulbeihilfen, Fahrkostenbeihilfen und vieles mehr. Diese Leistungen sind oft an bestimmte Einkommensgrenzen gebunden und müssen jährlich neu beantragt werden.

Ein Beispiel: In Niederösterreich können Familien mit Kindern einen Schulstarthilfezuschuss von bis zu 200 Euro pro Kind beantragen. In der Steiermark gibt es Zuschüsse für Schulveranstaltungen, in Tirol werden Sportvereinsbeiträge für Kinder gefördert.

Praktische Tipps zur Beantragung

Die Beantragung von Sozialleistungen kann komplex erscheinen, mit der richtigen Vorbereitung ist sie aber gut zu bewältigen. Wichtig ist, alle relevanten Unterlagen vollständig einzureichen. Dazu gehören üblicherweise Einkommensnachweise, Meldezettel, Geburtsurkunden und je nach Leistung weitere spezifische Dokumente.

Viele Anträge können mittlerweile online über die jeweiligen Behördenplattformen eingereicht werden. Dies beschleunigt die Bearbeitung erheblich. Bei Unklarheiten empfiehlt es sich, die kostenlose Beratung der zuständigen Stellen in Anspruch zu nehmen.

Häufige Fehler vermeiden

Ein häufiger Fehler ist es, Anträge zu spät oder gar nicht zu stellen. Viele Leistungen werden nur ab Antragstellung und nicht rückwirkend gewährt. Zudem ändern sich Voraussetzungen und Ansprüche regelmäßig, weshalb eine jährliche Überprüfung sinnvoll ist.

Ein weiterer Fehler: Änderungen der persönlichen Situation werden nicht gemeldet. Dies kann zu Rückforderungen führen, wenn Leistungen zu Unrecht bezogen wurden. Melden Sie daher Änderungen bei Einkommen, Familiensituation oder Wohnsituation immer umgehend.

Ihre nächsten Schritte

Prüfen Sie, welche der genannten Sozialleistungen für Ihre Situation relevant sind. Nutzen Sie Online-Rechner der Behörden, um Ihre Ansprüche zu ermitteln. Bei komplexen Situationen empfiehlt sich eine professionelle Beratung durch Experten wie unser Team bei Your Money.

Wir unterstützen Sie dabei, alle Ihnen zustehenden Leistungen zu identifizieren, die Anträge korrekt auszufüllen und begleiten Sie durch den gesamten Prozess. Kontaktieren Sie uns für eine umfassende Sozialleistungsberatung.